Seminar für Praktische Theologie, Abt. Pastoraltheologie

Prof. Dr. Philipp Müller

Copyright: Pfarrei St. Martin, Bingen

Willkommen auf den Seiten der Pastoraltheologie!

Dieses Bild, das sich unweit von Mainz in der Kapuzinerkirche Bingen befindet, drückt viel über das Selbstverständnis der Pastoraltheologie aus: Als praktisch-theologische Disziplin bezieht sich die Pastoraltheologie auf die christlich-kirchliche Praxis, die sie mit Bezug auf die kirchliche Tradition und im Kontext der sozio-kulturellen Situation der Gegenwart reflektieren und optimieren möchte. Dies geschieht auf der biographischen, gruppalen, gemeindlichen und kirchlichen Ebene.

Zu den konkreten Feldern, die dabei in den Blick genommen werden, zählen etwa die Seelsorge, die Sakramentenpastoral, christliche Sozialformen wie (Pfarr-)Gemeinden und Bewegungen, das missionarische Handeln der Kirche - aber auch die Analyse der gegenwärtigen religiösen Landschaft sowie die christliche Spiritualität, ohne die ein kirchlicher Selbstvollzug nicht denkbar ist. Die Pastoraltheologie arbeitet dabei innertheologisch und interdisziplinär mit anderen Wissenschaften zusammen.

Aktuelles

Begegnung mit Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf

Im Rahmen des Hauptseminars „Bistümer im epochalen Umbruch“ trafen Studierende der Theologie aus Mainz und Trier den Mainzer Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf.

Prof. Dr. Philipp Müller stellte zunächst den aktuellen Stand der Veränderungsprozesse im Bistum Mainz vor, das sich im Bistumsvergleich noch ganz am Anfang befindet. Im anschließenden Gespräch berichtete Kohlgraf von seinen Erfahrungen aus seinen Besuchen in den Dekanaten des Bistums. Es herrsche im Bistum eine insgesamt positive Stimmung, etwas verändern zu wollen, ebenso gebe es aber auch Ängste und Sorgen, das Altbewährte aufgeben zu müssen. Im Dialog mit den Studierenden betonte er die Notwendigkeit, die Gläubigen auf dem Prozess mitzunehmen und dabei alle Milieus versuchen zu integrieren. Ein Aufbruch in die Zukunft sei unabdingbar und dieser beinhalte ein neues Verständnis von Leitung, Partizipation und Ehrenamt.

Sebastian Schäfer

 

Akademietagung "Bistümer im epochalen Umbruch"

Tagung am Erbacher Hof am 11. Januar 2019 als Bestandteil des Hauptseminars

Am 11.01.2019 fand in Kooperation mit dem Erbacher Hof Mainz eine Akademietagung mit dem Titel „Bistümer im epochalen Umbruch“ statt. Prof. Dr. Peter Reifenberg vom Erbacher Hof und Prof. Dr. Philipp Müller begrüßten die rund 160 Teilnehmenden – schon diese große Zahl betone die gegenwärtige Relevanz der Thematik. Die Kirche stehe vor „gewaltigen Veränderungsprozessen“ (Müller) und es sei schön, dass so viele diesen „strukturellen, wie spirituellen Weg“ (Reifenberg) mitgehen.

Im ersten von drei Hauptvorträgen stellte der Mainzer Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf den sich verändernden Charakter der Pfarrei dar. Diese sei längst nicht mehr der stabile spirituelle Lebensmittelpunkt eines Dorfes, sondern hat sich bereits bis heute einem Wandel unterzogen. Der veränderten Situation müsse in Bistumsprozessen Rechnung getragen werden. Ähnlich wie in einem Mobile sei in Zukunft eine intensivere Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen und Organisationen einer Pfarrei erforderlich, um den gemeinsamen Auftrag neu zu entdecken.

Der Trierer Pastoraltheologe Prof. Dr. Martin Lörsch betonte anschließend, dass diese Veränderungen keine bloße Optimierung des Status Quo sein könne, sondern dass man mutig die bestehenden Muster unterbrechen und neu experimentieren solle. Mit Blick auf den Synodenprozess im Bistum Trier zeigte er auf, wie wichtig es ist, alle Ebenen des Bistums mitzunehmen. Dabei gehe es nicht darum, jeglicher Konfrontation aus dem Weg zu gehen, sondern im gemeinsamen Ringen um den richtigen Weg die entscheidenden Weichen zu stellen. Wenngleich Veränderungsprozesse dringend erforderlich seien, müsse dabei nicht immer alles problemlos verlaufen.

Als dritter Referent ging der Pastoraltheologe der Katholischen Hochschule Mainz Dr. Jan Loffeld auf das Auseinanderdriften von Kirche und Welt der letzten 200 Jahre ein und schlug eine Rückbesinnung auf die Alte Kirche in vorkonstantinischer Zeit vor. Damals wie heute sei die Entscheidung für das Christsein eine bewusst getroffene und kein Massenphänomen. Man solle an die frühe Kirche anlehnend dieses bewusste Zeugnis authentisch leben, den persönlichen Mehrwert des Glaubens herausarbeiten und bedingungslos diakonisch Handeln, ohne dabei bewusst missionieren zu wollen.

Mirjam Hake, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Pastoraltheologie der Universität Mainz, moderierte eine abschließende Podiumsdiskussion, in der Müller, Lörsch, Loffeld und Personaldezernent des Bistums Mainz Dr. Wolfgang Fritzen verschiedene Aspekte aus den Vorträgen vertiefend zur Sprache brachten. Die Zukunftsbilder für die Kirche in Deutschland seien pluriform und müssen der Moderne und der Lebenswirklichkeit der Menschen gerecht werden. Ringen, Streiten und Entscheiden innerhalb der Entwicklung sei dabei ebenso wichtig, wie eine gemeinsame spirituelle Basis. „Auch wenn wir noch nicht wissen, was genau die Zukunft bringen wird“, resümierte Fritzen, „ich habe die tiefe Zuversicht, dass es gut wird, weil wir durch den Heiligen Geist begleitet werden.“

Sebastian Schäfer

Zur weiteren Berichterstattung:

https://www.domradio.de/themen/seelsorge/2019-01-12/tagung-mit-bischof-kohlgraf-sieht-bistuemer-im-epochalen-umbruch

https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/der-endgultige-abschied-von-der-klassischen-pfarrei