Seminar für Praktische Theologie, Abt. Pastoraltheologie

Prof. Dr. Philipp Müller

Copyright: Pfarrei St. Martin, Bingen

Willkommen auf den Seiten der Pastoraltheologie!

Dieses Bild, das sich unweit von Mainz in der Kapuzinerkirche Bingen befindet, drückt viel über das Selbstverständnis der Pastoraltheologie aus: Als praktisch-theologische Disziplin bezieht sich die Pastoraltheologie auf die christlich-kirchliche Praxis, die sie mit Bezug auf die kirchliche Tradition und im Kontext der sozio-kulturellen Situation der Gegenwart reflektieren und optimieren möchte. Dies geschieht auf der biographischen, gruppalen, gemeindlichen und kirchlichen Ebene.

Zu den konkreten Feldern, die dabei in den Blick genommen werden, zählen etwa die Seelsorge, die Sakramentenpastoral, christliche Sozialformen wie (Pfarr-)Gemeinden und Bewegungen, das missionarische Handeln der Kirche - aber auch die Analyse der gegenwärtigen religiösen Landschaft sowie die christliche Spiritualität, ohne die ein kirchlicher Selbstvollzug nicht denkbar ist. Die Pastoraltheologie arbeitet dabei innertheologisch und interdisziplinär mit anderen Wissenschaften zusammen.

Aktuelles

"Bistümer im epochalen Umbruch" - Sammelband als Nachlese zur Tagung im Januar 2019

Viele deutsche Diözesen befinden sich derzeit in einem Umbruch, der ohne Übertreibung als epochal bezeichnet werden kann. Auch das Bistum ist in diesen Prozess involviert. Deshalb fand im Januar 2019 in Kooperation mit dem Erbacher Hof eine Tagung zu diesem aktuellen Thema statt, die in der Öffentlichkeit auf eine beachtliche Resonanz gestoßen ist. Die dort gehaltenen Vorträge – unter anderem von Bischof Dr. Peter Kohlgraf (Mainz), Martin Lörsch (Trier) und Jan Loffeld (jetzt Utrecht) – sind nun in einem Sammelband erschienen und damit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Der Sammelband kann zum Preis von fünf Euro im Mainzer Erbacher Hof oder am Lehrstuhl für Pastoraltheologie der JGU Mainz erworben werden.

Philipp Müller (Hrsg.): Bistümer im epochalen Umbruch. (Materialien 1/2019) Mainz 2019.

Eine Zäsur in der Kirche? – Der Studientag der Deutschen Bischofskonferenz am 13. März 2019 in Lingen

Prof. Dr. Philipp Müller

Im Herbst 2018 wurde die MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche veröffentlicht. Der Studie liegt eine Durchsicht der Personal- und Handakten aller deutschen Diözesen der letzten 70 Jahre zu Grunde. Danach wird jeder 23. Priester des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt. Auf jeden Beschuldigten kommen statistisch gesehen 2,5 Betroffene. Das Dunkelfeld ist vermutlich deutlich höher. Hinzu kommt der Bereich der Orden, der bislang noch nicht systematisch untersucht worden ist.

Die erschütternden Ergebnisse der MHG-Studie haben die Bischöfe dazu bewogen, sich bei ihrer diesjährigen Frühjahrsvollversammlung in Lingen mit den strukturellen Ursachen des Missbrauchs in der Kirche zu befassen. Sie taten dies unter der Überschrift „Die Frage nach der Zäsur. Studientag zu übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen“: Als erster referierte dort Gregor Maria Hoff (Salzburg) über „Sakralisierung der Macht“, dann sprach Philipp Müller (Mainz) über „Die Zukunft der priesterlichen Lebensform“; abschließend thematisierte Eberhard Schockenhoff (Freiburg) die „Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral“; die Moderation lag bei Julia Knop (Erfurt), die auch den Einstiegsimpuls lieferte. In den Referaten trat immer wieder auch die Spannung zutage, die zwischen dem kirchlichen Lehramt, den gegenwärtigen theologischen Diskursen und dem Lebensgefühl der heutigen Menschen besteht. Vermutlich war es das erste Mal, dass sich die Bischofskonferenz als ganze dieser Spannung so umfassend ausgesetzt und ihr gestellt hat. Über das Gehörte wurde anschließend sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum intensiv diskutiert. Die Gesprächsatmosphäre während des Studientags war offen und konstruktiv.

Einen Tag später haben die Bischöfe dann beschlossen, sich auf einen „synodalen Weg“ einzulassen, auf dem die drei Themenkreise „Macht in der Kirche“, „Priesterliche Lebensform“ und „Kirchliche Sexualmoral“ weiter bearbeitet werden. In diesen „synodalen Weg“ wird auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken involviert sein. Vielen Verantwortlichen ist klar, dass der „synodale Weg“ keine Neuauflage des Dialogprozesses der Jahre 2011 – 2015 werden darf, bei dem über vieles gesprochen werden durfte, die entscheidenden Konfliktthemen jedoch außen vor bleiben mussten. Insofern bleibt abzuwarten, wie sich der „synodale Weg“ gestalten wird und ob die Ergebnisse der Missbrauchsstudie tatsächlich zu einer Zäsur in der Kirche führen werden.

Das Referat von Prof. Philipp Müller finden Sie unter
https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2019/2019-038b-FVV-Lingen-Studientag-Vortrag-Prof.-Mueller.pdf

Die Beiträge der anderen Referenten sind zugänglich unter
https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/studientag-zum-thema-die-frage-nach-der-zaesur-zu-uebergreifenden-fragen-die-sich-gegenwaertig-stel/Detail/